Author: Don Calo

  • Colmar: Erweiterung Unterlindenmuseum

    Herzog und de Meuron erweitern Unterlindenmuseum

    Eine natürliche Lösung: Das Basler Architektenduo Jacques Herzog und Pierre de Meuron hat den Wettbewerb um den Erweiterungsbau des Unterlindenmuseums in Colmar gewonnen.


    So soll sie einmal aussehen, die Erweiterung des Unterlindenmuseums in Colmar. | Foto: © Herzog & de Meuron

    Am Freitag ist die Entscheidung gefallen, und nachdem die Stadt Colmar sie am späten Vormittag öffentlich gemacht hat, erscheint sie als quasi natürliche Lösung: Das Basler Architektenduo Jacques Herzog und Pierre de Meuron ist als Sieger aus dem Wettbewerb um den Erweiterungsbau des Unterlindenmuseum hervorgegangen. Archaisch, im Geiste des Museums im Klostergebäude und kühn zugleich wirkt ihr Entwurf: Eine unterirdische Passage soll das Dominikanerkloster aus dem 13. Jahrhundert, das zum Umbau bestimmte Jugendstilbad und einen Neubau aus Backstein verbinden. Dazwischen werden die beiden Architekten den bisher unter Asphalt verschwundenen Kanal wieder offen legen, einen verschönerten Platz präsentieren und über ein kleineres Gebäude das gesamte Ensemble zugänglich machen.

    Die Vielfalt der Formen reicht von organisch weit ausgreifenden Linien in der unterirdischen Passage – unverkennbar Herzog und de Meuron – bis zum trutzig wirkenden Neubau mit seinen wandhohen schmalen Lichtschlitzen, der sich doch mit zurückhaltender Eleganz als Gegenpart zum benachbarten Klosterkomplex in das Gesamtbild am Rande der pittoresken Altstadt einfügt. Im Neubau nehmen Herzog/de Meuron die Proportionen und das Volumen der Klosterkapelle auf. "Das Unterlindenmuseum ist ein Juwel, es ging darum, die richtige Melodie zu finden", beschrieb Pierre de Meuron in Colmar gestern die Herausforderung. An dem Projekt beteiligt ist neben den Schweizern auch das Architektenbüro Delemazure aus Mulhouse. Guillaume Delemazure arbeitete bis vor zwei Jahren für Herzog/de Meuron – und holte sie mit ins Boot für den Wettbewerb um den Neubau.

    Mit der Entscheidung für das Basler Architektenbüro nimmt die Stadt Colmar allerdings ein Kostenvolumen in Kauf, das die ursprünglich angestrebten 21 Millionen Euro überschreitet. Mindestens drei Millionen Euro muss die Stadt noch aufbringen, möglichst durch private Sponsoren, wie sich Oberbürgermeister Gilbert Meyer erhofft. 6,5 Millionen Euro hat Colmar für den Um- und Neubau selbst im Haushalt vorgesehen. Weitere knapp vier Millionen steuert die französische Regierung als zweiter von insgesamt sechs Partnern zur Finanzierung bei. Meyer gehörte selbst zwar nicht der Wettbewerbsjury an, erschien aber sichtlich so angetan vom Siegerentwurf, dass er alle finanziellen Bedenken von sich schob. Im ersten Jahresdrittel 2010 wird der französische Staatsvertrag für die Zuschüsse an die Regionen und Départements verhandelt. Zudem erhofft sich Meyer, dass sich am vorliegenden Entwurf hier und da noch feilen lässt. Mit einem Baubeginn rechnet Pierre de Meuron frühestens 2011.

    Pantxika de Paepe, der Leiterin des Unterlinden-Museums, sah man die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Seit Jahren wurde über einen Erweiterungsbau geredet. Nun scheint die Aufhebung eines Missstandes in greifbare Nähe gerückt. 40 Prozent des Museumsbestandes konnten auf den rund 3500 Quadratmetern Fläche des Klostergebäudes nur in wechselnden Ausstellungen gezeigt werden. Schon lange waren die Räume für die moderne Abteilung unzureichend. Untragbar für ein Haus, das mit 250 000 Besuchern jährlich und einem einzigartigen Bestand an Kunstwerken des Mittelalters und der Renaissance und seinem Glanzstück, Matthias Grünewalds Isenheimer Altar, zu den bedeutendsten Oberrheinischen Museen zählt.

    Der Auftrag für Herzog/de Meuron umfasst eine Fläche von 7800 Quadratmetern, was bedeutet, dass sie auch Teile des bisherigen Museums, das seit 1853 im ehemaligen Dominikanerkloster beheimatet ist, einer Renovierung unterziehen, vor allem die Kapelle mit dem Isenheimer Altar und den Kreuzgang. Unter dem von Fenstern durchbrochenen Gewölbedach des Jugendstilbades öffnet sich im Entwurf weit und luftig ein Ausstellungsraum über drei Etagen. Hier sollen neben Bibliothek, Caféteria und Office de Tourisme die Werke des 19. Jahrhunderts ihren Platz finden werden. Der Neubau gehört allein der Kunst des 20. Jahrhunderts, der Moderne, den Zeitgenossen und den Wechselausstellungen.

    Vor allem aber werden die beiden Architekten in der Enge der Fachwerkarchitektur, inmitten bestens restaurierter historischer Künstlichkeit, wie sie in Colmar zu bestaunen ist, einen aufregenden Kontrapunkt setzen.

    Quelle: Badische Zeitung